Königsmord

Die Alte Hofhaltung war im Mittelalter Schauplatz eines folgeschweren Verbrechens. König Philipp von Schwaben, der kurz vor der Wahl zum Kaiser stand, wurde hier im am 21. Juni des Jahres 1208 vom Pfalzgrafen Otto VIII. von Wittelsbach in seinen Gemächern ermordet. Er war nach Bamberg gekommen, um an der Hochzeit seiner Nichte Beatrix von Burgund teilzunehmen. Von Wittelsbach konnte zunächst fliehen, wurde aber später bei Regensburg gestellt und hingerichtet. Philipp von Schwaben wurde zunächst im Bamberger Dom beigesetzt und erst 1214 nach Speyer überführt.

Die „schöne Pforte“

Noch heute betritt man das Gelände durch die, ursprünglich farblich gefasste, „Schöne Pforte“. Gefertigt wurde sie von dem Künstler Pankraz Wagner. Zu sehen sind u.a. zwei liegende Figuren, von denen der Mann den Main und die Frau die Regnitz symbolisiert. Die Regnitz wird mit einem verspielten Putto abgebildet, der sie frech in den Zeh zwickt, was für die Lebendigkeit des Flusses spricht. Der Main dagegen wird mit einem schlafenden Hund dargestellt. Das weist auf den keltischen Namen Main hin, was so viel wie „Träge Schlange“ bedeutet. Im Zentrum ist die Mutter Gottes zu erkennen, welche von Kaiser Heinrich II. und dessen Ehefrau Kunigunde umrahmt wird.

 

An die Zeiten von Kaiser Heinrich II. erinnert heute auch noch der einzelne, am Domplatz und der „schönen Pforte“ angrenzende Turm, in dessen Untergeschoss sich die Thomas- und darüber die Katharinenkapelle befindet. Die Thomaskapelle wurde 1020 von Papst Benedikt geweiht, als dieser auf einer Reise in Bamberg das Osterfest mit Kaiser Heinrich II. verbrachte.

Ansprüche des Klerus

Zwar wurde die Alte Hofhaltung im Laufe der Jahrhunderte um weitere Anbauten und dem befestigten Innenhof erweitert. Die Alte Hofhaltung, die zu dieser Zeit aus vielen mehrstöckigen Gebäudezeilen mit hohen Satteldächern bestand, konnte auf Grund der Enge trotz alledem nie die vollkommene Zufriedenheit der Hohen Herren erlangen. Viele Bischöfe und Geistliche versuchten daher, durch eigene Umbauarbeiten das Areal an ihre Bedürfnisse hin anzupassen oder sie suchten innerhalb der Stadtgrenzen nach geeigneteren Alternativen. So entstanden auf dem damaligen Stadtgebiet zahlreiche, teils eindrucksvolle Um- und Neubauten. In diesem Zug wurde auch das Schloss der Familie Geyer, heute bekannt als Schloss Geyerswörth, renoviert und erhielt das heutige Aussehen. Erst im 17. Jahrhundert fanden die Bischöfe mit dem Bau der Neuen Residenz endlich ein Domizil, das ihren Ansprüchen genügte.

Einblicke in den mittelalterlichen Hofstaat

Der Innenhof, der erst mit Abriss eines den Hof teilenden Gebäudes entstand, wird von Fachwerkhäusern aus dem 14./15. Jahrhundert mit Laubengängen umgeben, die insbesondere in den Sommermonaten, mit reichem Blumenschmuck versehen, einen bezaubernden Anblick bieten. Im Erdgeschoss befanden sich die Räume des „Marstaller“, also des Hof-Pferdemeisters. Die Stallungen, die Platz für 29 Pferde boten, wurden im Barockzeitalter nach außen mit Arkadenbögen verziert. Im Innenhof sind heute auch noch Futterraufen, Barren und ein überdachtes Sandsteinbecken mit Wassertrog zu erkennen.

 

Im angrenzenden Zwerchhaus, zu erkennen an seinen hervortretenden Erkeraufbauten, wurden Getreidesäcke durch die beiden Ladeluken ins Innere der Speicherböden befördert. Zur Hofseite hin gibt es drei sehr schöne Stichbogenfenster, welche im Jahre 1576 angebracht wurden. Der nordwestliche Teil des Gebäudes besitzt nur zwei Geschosse. In die oberen Geschosse kam man durch eine Treppe in der Einfahrt.

Die Alte Hofhaltung heute

Seit 1961 ist das Bewohnen der Räumlichkeiten aus Brandschutzgründen untersagt. Die Kulisse der Alten Hofhaltung ist im Sommer jährlich Schauplatz der Calderon-Festspiele. 2010 wurden hier zudem einige Szenen für den Film „Die drei Musketiere“ von Regisseur Paul W.S. Anderson gedreht, indem sie das Paris des 17. Jahrhunderts darstellen soll.

 

Zur Alten Hofhaltung zu gelangen ist zwar auch heute eine recht sportliche Angelegenheit. Kaiser Heinrich II. hingegen dürfte dabei noch wesentlich mehr Mühe gehabt haben, nicht zuletzt, weil er der Überlieferung nach ein lahmes Bein besaß. Aufzeichnungen zufolge wurde der relativ flache Zugang über die Karolinenstraße erst im Zuge von Baumaßnahmen im 18. Jahrhundert angelegt. Auch für die Existenz von gepflasterten Straßen zu Zeiten Kaiser Heinrichs II. gibt es keine Beweise.

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